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Öfter mal was Neues

Öfter mal was Neues

Umstrukturierung bei Stage Entertainment

Am 27. und 28. Februar 2018 wurden die Beschäftigten der Theatergesellschaften durch ihre jeweiligen Theaterleitungen über die angestrebten Umorganisationsmaßnahmen informiert. Zum 1. August 2018 sollen die tarifgebundenen Theatergesellschaften – also die

  • Metronom Theater Produktionsgesellschaft mbH
  • Apollo Theater Produktionsgesellschaft mbH
  • Palladium Theater Produktionsgesellschaft mbH
  • Theater im Hafen Produktionsgesellschaft mbH
  • Theater Neue Flora Produktionsgesellschaft mbH
  • Musical Betriebsgesellschaft Operettenhaus GmbH
  • TdW Produktionsgesellschaft mbH
  • Bluemax Theater Produktionsgesellschaft mbH

in einer neuen einheitlichen Produktionsgesellschaft, nach derzeitigem Stand ist das die Stage Entertainment Production (SE Production GmbH), verschmolzen werden. Dieser Prozess wird mit organisatorischen Erleichterungen und Kostenersparnis begründet. Die Situation mit einer Vielzahl an historisch gewachsenen Einzelgesellschaften sei sehr komplex und solle vereinfacht und effizienter gestaltet werden.

Einige Theatergesellschaften sollen nicht verschmolzen werden: Die Theater des Westens Betriebsgesellschaft soll zum Beispiel aufgrund ihrer besonderen Situation und ihrer an öffentlichen Dienst angelehnten Tarifverträge, nicht in die gemeinsame Gesellschaft verschmolzen werden.

Ebenso soll auch das Colosseum nicht in die SE Production verschmolzen werden. Hier gibt es zwar Tarifverträge, aber das Colosseum ist in dem Sinne ja nicht mehr im normalen Stage-Theaterbetrieb, sondern wird eher als Veranstaltungsort – mit nur noch wenigen Festbeschäftigten – genutzt. Das Theater an der Elbe soll nach aktuellem Planungsstand auch kein Teil der neuen Gesellschaft sein.

Das Theater an der Elbe (TadE) hat bisher noch keine Tarifverträge. Im Rahmen der für dieses Jahr anstehenden Tarifrunde will ver.di allerdings Tarifverträge für das TadE vereinbaren. Dies ist schon gegenüber der Arbeitgeberseite kommuniziert und wird auch entsprechend bekräftigt werden. Es macht aus Sicht von ver.di durchaus Sinn, das Theater an der Elbe in die neue Gesellschaft einzubeziehen.

Was hat die Verschmelzung für tarifliche Folgen?

Die SE Production wird Rechtsnachfolger der Theatergesellschaften, die in sie verschmolzen werden. Diese Rechtsnachfolge gilt auch für Arbeitsverträge und Tarifverträge. Die SE Production ist also ab der Verschmelzung der Vertragspartner der Arbeits- und Tarifverträge. Vereinfacht gesagt gilt ab dem Zeitpunkt der Verschmelzung grundsätzlich für die Beschäftigten der verschmolzenen Theatergesellschaften in ihrem Betrieb der jeweils auch vorher geltende Tarifvertrag weiter.

Aufgrund der anstehenden Tarifrunde hat ver.di die Entgelt- und Manteltarifverträge fristgerecht zum 30. Juni 2018 gekündigt. Ab dem 1. Juli 2018 sind die Tarifverträge somit in der sogenannten Nachwirkung – d.h. sie gelten für alle zum Zeitpunkt 30.06.2018 Beschäftigten so lange weiter, bis eine neue Regelung getroffen wurde. In diesem Fall gehen die nachwirkenden Tarifverträge in die neue Gesellschaft über und die SE Production wird dann der Vertragspartner der nachwirkenden Tarifverträge.

Nach erster Bewertung sind die derzeit Beschäftigten tarifrechtlich also in einer relativ gut abgesicherten Situation. Oftmals gibt es aber juristische Auseinandersetzungen darüber, ob die Nachwirkung von Tarifverträgen auch für Beschäftigte gilt, die kein Gewerkschaftsmitglied sind und lediglich einen Verweis im Arbeitsvertrag auf die Anwendung des jeweils gültigen Tarifvertrages haben. Diese Vertragsklausel dürfte beim überwiegenden Teil der Stage-Beschäftigten im Arbeitsvertrag festgelegt sein, bietet aber im Streitfall keinen hinreichenden Schutz. Wir raten den Beschäftigten gerade in dieser besonderen Situation dringend zu einer ver.di-Mitgliedschaft. Damit ist man auf jeden Fall auf der sicheren Seite und unterstützt zudem auch die Durchsetzung der ver.di-Forderungen in der anstehenden Tarifrunde – das wird durch die Umorganisationsplanung ja nicht einfacher werden.

Für Beschäftigte, die erst in die neue Gesellschaft eingestellt werden, ist die Situation allerdings nicht so »luxuriös«! Für sie ist die Anwendung der nachwirkenden Tarifverträge unklar und rechtlich auch eher nicht zwingend!

Wie geht es mit den Forderungen zur Tarifrunde und den Tarifverhandlungen jetzt weiter?

Die Konzerntarifkommission hat die Konzernforderungen auf Grundlage der Forderungen aus den einzelnen Theatern bereits diskutiert. Allerdings war dies, bevor uns die Umorganisationsmaßnahme in Art, Umfang und Zeitpunkt klar war (völlig klar ist ja auch jetzt noch vieles nicht!). Wir haben in die Diskussion der Forderungen also die Umorganisationsmaßnahme noch nicht einbezogen. Dies werden wir in der kommenden Sitzung der Konzerntarifkommission, die am 6. und 7. März 2018 in Berlin stattfindet, entsprechend nachholen. Es erscheint ja zum Beispiel die Tarifierung der neuen Stage Entertainment Productions mit einem einheitlichen Tarifvertrag sinnvoll. Danach werden wir die Geschäftsleitung über unsere Forderungen informieren und mit ihnen Verhandlungstermine vereinbaren.

Was kann jede/jeder Einzelne beitragen?

Die Betriebsräte, der Konzernbetriebsrat und ver.di arbeiten in dieser Frage eng zusammen, um die Arbeitsbedingungen der Stage-Beschäftigten dauerhaft zu sichern.

Um dies aber auch erfolgreich tun zu können und beispielsweise die Aushöhlung der Tarifverträge zu verhindern und Schutzregelungen, wie den Ausgliederungsschutz und den Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen außerhalb eines Produktionswechsels, auch erfolgreich wieder vereinbaren zu können, ist Jede und Jeder gefordert!

Unterstützt Eure Betriebsräte bei ihrer Arbeit!
Unterstützt ver.di bei der Durchsetzung guter Tarifverträge und werdet Mitglied!

Starke Gewerkschaft – starke Tarifverträge!
Mitmachen – Mitglied werden!

Tarifinformation 2/2018

Fachgruppe Theater+Bühnen der ver.di
Foto/Grafik: ver.di

Das Flugblatt
kann als pdf-Datei hier geladen werden.