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Theater Trier: DOV widerspricht dem BdSt

Theater Trier: DOV widerspricht dem BdSt

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Offener Brief der DOV vom 1. September 2016 zur Forderung
des BdSt Rheinland-Pfalz, das Theater Trier zu schließen

Sehr geehrte Damen und Herren,

die jüngsten Äußerungen des BdSt Rheinland-Pfalz, das Theater Trier »ersatzlos abzuwickeln« sind purer Populismus und werden von der Deutschen Orchestervereinigung als völlig inakzeptabel zurückgewiesen.

Offenbar ist es dem BdSt entgangen, dass die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft seit Dezember 2014 von der Deutschen UNESCO Kommission auf die nationale Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde. Dies ist vor allem der weltweiten Einzigartigkeit des deutschen Stadttheatersystems zu verdanken. Dieses gilt es zu schützen und zu erhalten. Dass das Theater und das Philharmonische Orchester einen echten immateriellen Wert für eine lebenswerte Stadt darstellen, lässt sich eben nicht in Geld aufrechnen.

Erstaunlich undurchdacht und unprofessionell ist die Annahme des BdSt, eine »bessere Sparmaßnahme« als die Theaterschließung könne es für Trier gar nicht geben. Der BdSt hat ganz offenbar übersehen, dass die Entlassung des Theater- und Orchesterpersonals teilweise rechtlich ausgeschlossen ist bzw. über weit mehr als zehn Jahre zu tariflichen Abfindungs- und Abwicklungskosten in Millionenhöhe und zum kompletten Wegfall der Landeszuschüsse führen würde. Da sollten sich die BdSt-Mitglieder fragen, ob sie dem richtigen Verein angehören.

Außerdem: Von jedem in das Theater investierten öffentlichen Euro fließen erhebliche Beträge in Form von Mieten, Steuern, Abgaben und Konsumausgaben der Beschäftigten und Theaterbesucher an Stadt und Land zurück und stabilisieren damit insgesamt die Finanz- und Steuerkraft von Stadt und Region.

Der Vorschlag, die Trierer mögen doch bitte stattdessen 45 Minuten nach Luxemburg ins Theater fahren, stammt aus der Rotstift-Mottenkisten des späten 20. Jahrhunderts. Wenn alle deutschen Städte ihre Theater nach den BdSt-Forderungen abwickeln würden, in welches Theater einer Nachbarstadt sollten die Menschen dann noch fahren? Und: wer würde schon ernsthaft aus Trier insgesamt 90 Minuten am Abend und in der Nacht ins Nachbarland fahren, um dort ein Schauspiel in französischer Sprache zu sehen?

Auch die 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Trierer Theaters und des Philharmonischen Orchesters sind Steuerzahler. Mit welchem Recht reklamiert der BdSt für sich, diese Menschen und ihre Familien in die Arbeitslosigkeit und danach in Sozialhilfe zu schicken, die die Stadt später finanziell im Sozialetat belasten würde?

Abschließend: Der BdSt ist gut beraten, die einschlägigen Regelungen des Grundgesetzes zu respektieren und Kulturpolitik den demokratisch gewählten Vertretern der Kommune und des Landes zu überlassen.

Mit freundlichen Grüßen

gez. Gerald Mertens
Geschäftsführer der DOV

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