Nachrichten

VIELFALT

VIELFALT

Ansprache von Klaus Schrankenmüller,
Personalrat Stuttgarter Staatstheater, auf der Kundgebung am 29. Juni 2019

Fachgruppe Theater+Bühnen der ver.di ver.di Stuttgart Vielfalt  – Demonstration am Opernhaus Stuttgart


»Klare Kante gegen AfD«

Liebe Vielfältige!

Als Mitarbeiter der Stuttgarter Staatstheater bin ich entsetzt über diese rassistisch motivierte Anfrage der AfD zu meinen Kolleginnen und Kollegen!
Als Personalvertreter der Stuttgarter Staatstheater bin ich aufgebracht über dieses schändliche Vorgehen gegen Beschäftigte an diesem Hause!

Zu tiefst erschrocken bin ich aber darüber, wie sich Dinge zu wiederholen scheinen, wie sich Handlungen und Vorgehen gleichen, von denen ich dachte, die dürften nie wieder stattfinden!
Ich hatte das Gefühl, die Vergangenheit holt uns ein.

Unter dem Deckmantel der Demokratie,

  • findet der rassistische Angriff gegen Kulturschaffende mit Migrationshintergrund statt,
  • wird die Internationalität der Kulturbetriebe in Misskredit gebracht,
  • wird das Deutschtum in den Theatern popularisiert.

Das hat Methode!
Die schon andere in dieser Art und Weise angewendet hatten!
Vor gar nicht allzu langer Zeit, wie ein Blick in die Geschichte unseres Theaters erschreckend klar macht.

Solche Listen, auf denen Menschen in Deutsche und Nichtdeutsche eingeteilt wurden,

gab es vor über 80 Jahren hier schon einmal.
Solche Listen, wurden damals angefertigt – um die Ausmerzung all jener vorzubereiten, die dem Nazismus im Wege standen.
Solche Listen hatten damals unmittelbare Auswirkungen auch auf unser Theater!

Auf Grund solcher Listen, wurden ab 1933 – unter rassistischen Gesichtspunkten – »volksfremde« Künstlerinnen und Künstler entlassen!

Auf solch einer Liste, stand als einer der Ersten hier am Theater der damalige Staatsschauspieler Fritz Wisten und wurde – auf Grund seiner jüdischen Herkunft – im März 1933 entlassen.
... und viele weitere folgten!

Bereits 1930 brandmarkt der VÖLKISCHE BEOBACHTER den damaligen Oberspielleiter unserer OPER – Harry Stangenberg – als »Ausländer, der auch Jude sein soll«!
Und kündigt die Säuberung des Kulturbetriebs mit den Worten an:

  • »Der deutsche Steuerzahler zahlt den Ausländer, der deutschen Volksgenossen den Platz versperrt, mit deutschem Gelde großzügig fremdländische und jüdische Opernwerke inszeniert!
  • Wie lange noch?«

Zur »Entsiffung des Kulturbetriebe«, die der Bundestagsabgeordnete Marc Jongen von der AfD fordert und »mit Freude durchführen will« – besteht da für mich nur ein marginaler Unterschied!

Oft gebraucht – und manchmal abgedroschen, aber in diesem Fall ganz besonders zutreffend – ist die Forderung
»Wehret den Anfängen!«

Diesen Angriffen begegnen wir mit unserer Kreativität, Fantasie und Kunst.
Diesen Angriffen setzen wir entgegen unser Vielfältigkeit, Toleranz und Weltoffenheit!

Vorhang auf - und Bühne frei!

An unserem Hause arbeiten über 1.400 Menschen aus über 50 Nationen – Hand in Hand zusammen –

  • an mythstischen Traumwelten,
  • an magischen Kunstwelten,
  • an berauschenden Bühnenwelten.

Hier können Raum, Zeit und Handlung auf fantastische Weise miteinander verknüpft sein. In berührenden Momenten werden die Grenzen zwischen Realität und Spiel unsichtbar.

»Ja, wir sind Weltenbauer!«
Für Euch – und für alle unsere Zuschauer!

Und ganz in der Realität – tun wir das Tag für Tag –
ohne zu fragen

  • was hat die Kollegin für einen Pass,
  • was hat der Kollege für eine Hautfarbe,
  • was für eine Religion, Geschlecht und Vorlieben …

Ich glaube, dass es möglich ist, zusammen in Menschlichkeit, Toleranz und Vielfältigkeit zu leben und zu arbeiten,
aber: dass kriegen die Einfältigen nicht in ihren Kopf!

Und ich glaube, davor haben sie sogar Angst!

Aufruf zur Demonstration

Fachgruppe Theater+Bühnen der ver.di
Foto/Grafik: Staatstheater

Ein ausführlicher Bericht ...

... über die Demonstration f
indet sich in den Stuttgarter Nachrichten