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Stage – vor den Tarifverhandlungen

Stage – vor den Tarifverhandlungen

Konzerntarifkommission beschließt Forderungen –
Geschäftsführung will massive Einschnitte durchsetzen!

Die Konzerntarifkommission hat am 17. Juni 2021 ihre Forderungen für die anstehende Tarifrunde bei Stage-Entertainment beschlossen. Die Stage-Geschäftsführung hat uns ebenfalls schon Ihre Vorstellungen für einen neu abzuschließenden Tarifvertrag übermittelt. Naturgemäß liegen die Vorstellungen beider Seiten hierbei auseinander. In diesem Fall allerdings so weit, dass schon jetzt fraglich ist wie man zu einer Einigung kommen soll.

Maßvolle Forderungen
Aufgrund der besonderen Rahmenbedingungen, unter denen die Verhandlungen nun stattfinden, hat sich die Konzerntarifkommission für maßvolle, keine langfristigen Kosten erzeugenden, Forderungen entschieden.

Beschäftigungssicherung
Das Ausgliederungsverbot und der Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen außerhalb eines Produktionswechsels läuft zum 30. Juni 2021 automatisch ersatzlos aus. Diesen Schutz wieder zu vereinbaren hat für die ver.di-Tarifkommission eine sehr hohe Priorität. Wir haben hier die Erwartung, dass die bisherigen Tarifregelungen für die Laufzeit des neuen Tarifvertrages fortgeschrieben werden.

Finanzielle Anerkennung
Die Stage-Beschäftigten sind seit März 2020 in Kurzarbeit 0. Trotz Aufstockung des Kurzarbeitergeldes hat dies über diesen langen Zeitraum zu massiven Einkommensverlusten geführt, die die Beschäftigten vor finanzielle Herausforderungen stellen. Die Einbußen und der unbedingte Wunsch der Beschäftigten daran mitzuarbeiten, dass möglichst bald ein erfolgreicher Restart gelingt, gehören auch finanziell anerkannt! Die Stage-Arbeitgeber sollen in dieser auch für sie finanziell angespannten Situation allerdings nicht überfordert werden.
Die Entgeltsteigerungen sollen nach Wunsch der TK in steuerbegünstigten Einmalzahlungen erfolgen, den so genannten »Corona-Zahlungen«. Hier hat der Gesetzgeber befristet die Möglichkeit geschaffen den Beschäftigten steuer- und sozialabgabenfreie Einmalzahlungen zur Verfügung zu stellen. Die Tarifkommission fordert:
•  Noch im Jahr 2021 eine »Corona-Sonderzahlung« in Höhe von 500 Euro netto und
•  Für das Jahr 2022 eine »Corona-Sonderzahlung in« Höhe von 1.000 Euro netto.
Für die Beschäftigten hätte dies den Vorteil das der Betrag ohne Abzug von Steuern und Sozialabgaben direkt bei ihnen ankommt. Für den Arbeitgeber ist dies aber auch von Vorteil, da diese Einmalzahlungen nicht in die Entgelttabellen einfließen, sie für die Zukunft also nicht langfristig erhöhen. Zusätzlich dazu spart auch der Arbeitgeber seinen Anteil an den Sozialabgaben ein.

Laufzeit
Die Konzerntarifkommission fordert für den neuen Tarifvertrag eine Laufzeit von maximal 24 Monaten. In der aktuellen Situation ist weder die wirtschaftliche Entwicklung der Stage noch die der Inflation oder anderer Faktoren langfristig absehbar. Aus diesem Grund möchte die TK die Entscheidungen über die tariflichen Entwicklungen für das Jahr 2023 nicht jetzt schon treffen, sondern sie passend auf die dann aktuelle Situation abstimmen.

Arbeitgeber auf Kollisionskurs

Die Arbeitgeber können den ver.di-Forderungen scheinbar gar nichts abgewinnen. Ihre Vorstellungen über die Bedingungen eines neu abzuschließenden Tarifvertrages machen fassungslos und lassen befürchten, dass wir zum geplanten Restart auf einen massiven Konflikt zusteuern.
Die Vorstellungen des Stage-Arbeitgebers:

  • Die Laufzeit des Tarifvertrages soll drei Jahre betragen.
  • Betriebsbedingte Kündigungen außerhalb von Produktionswechseln sollen nur im ersten Jahr der Laufzeit des TV (1. Juli 2021 bis 30. Juni 2022) ausgeschlossen sein. Im Bereich Venue sollen trotzdem 5 Prozent der FTE gekündigt werden können! Ein Ausgliederungsverbot soll es überhaupt nicht geben!
  • Keine Entgeltsteigerung im ersten Jahr der Laufzeit – das bedeutet eine Nullrunde!
  • Zum 1. August 2022 soll es eine Einmalzahlung von 300 Euro geben. Allerdings nicht netto als »Corona-Sonderzahlung«, sondern ganz normal zu versteuern und mit Sozialabgaben!
    Zusätzlich soll diese mickrige Zahlung nur erfolgen, wenn am 1. Juli 2022 alle Stage-Theater mit voller Kapazität im Spielbetrieb sind.
  • Im dritten Jahr der Laufzeit sollen die Entgelte zum 1. August 2023 um 1,5 Prozent erhöht werden. Allerdings gilt auch hier, dass diese »Erhöhung« nur erfolgen soll, wenn am 1. Juli 2023 alle Stage-Theater mit voller Kapazität im Spielbetrieb sind.
  • Für die ersten beiden Jahre der Laufzeit soll absolute Friedenspflicht herrschen, d.h. dass man auch für Sachverhalte, die mit dem abgeschlossen TV gar nichts zu tun haben, z.B. Altersteilzeit oder einem Tarifsozialplan, nicht streiken dürfte!
  • Zum Schluss des »Horrorkataloges« fordert der Arbeitgeber, dass ab dem zweiten Jahr der Laufzeit der Zustimmungsvorbehalt von ver.di bei Kündigungen im Rahmen von Theaterschließungen wegfällt.

Was soll das?

Das muss man sich wirklich fragen? Sollen dies etwa taktische Spielereien sein? Es drängt sich hier die Vermutung auf, dass die Stage-Arbeitgeber die Pandemie dazu nutzen wollen, ein schlechtes Tarifergebnis durchzusetzen. Alles was sie schon immer im Tarifvertrag gestört hat, soll jetzt geschliffen werden: Kündigungsschutz, Ausgliederungsverbot, geringe Entgeltsteigerungen nur mit Vorbedingungen, absolute Friedenspflicht und die Abschaffung des besonderen Schutzes der Beschäftigten bei Theaterschließungen.

Die Stage will die schwierige Corona-Situation zum Nachteil der Beschäftigten ausnutzen!
So geht man nicht mit Beschäftigten, Betriebsräten und Gewerkschafterinnen/Gewerkschaftern um, die alles ihnen Mögliche dafür getan haben, »ihrer Stage« ein Fortbestehen zu ermöglichen!
So geht man nicht mit Beschäftigten um, die motoviert für einen erfolgreichen Restart sorgen sollen!

Jede und Jeder ist jetzt gefordert
Hiergegen müssen wir uns wehren! Für sichere Jobs und faire Tarife!
Dazu brauchen wir eine starke ver.di in den Stage-Häusern! Werdet Mitglied und unterstützt die Bemühungen der ver.di-Konzerntarifkommission!
Mitgliedschaft und weitere Informationen unter: mitgliedwerden.verdi.de.

Die Tarifverhandlungen beginnen am 4. August 2021.

... Die Tarifinformation 3/2021 ...

Fachgruppe Theater+Bühnen der ver.di
© ver.di

... vom 1. Juli 2021
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