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JAV ohne Azubis?

JAV ohne Azubis?

Stiftung Oper
hat Wahl der Jugend- und Auszubildendenvertretung angefochten

Eigentlich wollte die Ende Mai neugewählte Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) der Stiftung Oper unverzüglich mit ihrer Arbeit beginnen. Sie vertritt die Interessen von mehr als 50 Azubis und jungen Beschäftigten in den vier Häusern der Stiftung.

Aber: Zuerst hielt sie ein gerichtliches Schreiben in der Hand. Die Wahl der JAV wurde von der Geschäftsleitung beim Verwaltungsgericht angefochten. Sie begründete die Anfechtung mit Formfehlern des Wahlvorstandes.

ver.di sieht die eigentlichen Gründe der Anfechtung an anderer Stelle: Zum ersten Mal in der Geschichte der Stiftung ist eine ver.di Liste zur Wahl einer betrieblichen Interessensvertretung angetreten. Die JAV hatte vor der Wahl schon einige kritische Punkte wie die Familienheimfahrten für Azubis mit dem Arbeitgeber angesprochen.

Und: Der Arbeitgeber will keine Azubis übernehmen. Statt der gut ausgebildeten Nachwuchskräfte stellt die Stiftung Oper lieber externe Beschäftigte ein. »Und das, obwohl der für Azubis geltende Tarifvertrag Ausbildung der Länder eine Übernahmeverpflichtung vorsieht«, erklärt ver.di Jugendsekretär Kristof Becker. »Betrieblicher Bedarf dürfte bei der Vielzahl der Einstellungen ohne Frage vorliegen.« Besonderen Schutz genießen die Mitglieder der neugewählten JAV, denn die dürfen laut gesetzlicher Regelung nicht gekündigt werden. »Sie müssen übernommen werden«, sagt Becker, »es sei denn, das ist dem Arbeitgeber nicht zuzumuten. Aufgrund der Größe der Stiftung allerdings wäre das nicht erklärbar.«

Dass der Arbeitgeber in der Anfechtung schreibt, Kandidatinnen und Kandidaten seien nicht wählbar, weil sie kurz vor Ende ihrer Ausbildung stünden, ist, wie Becker es drastisch formuliert, »selbstverständlich Quatsch, das ist in der Rechtsprechung völlig unstrittig. Jetzt sind die Mitglieder der JAV bis zum rechtskräftigen Urteil des Gerichts weiterhin im Amt. Sie haben nichts falsch gemacht.«

Fachgruppe Theater+Bühnen der ver.di Ch.v.Polentz | transitfoto.de Stiftung Oper Berlin

Für ver.di Sekretär Becker liegt der »Skandal« auch darin, dass ein Arbeitgeber die Wahl anficht. Das käme faktisch nicht vor. »Im öffentlichen Dienst in Berlin ist uns kein einziger Fall bekannt, in dem ein Arbeitgeber dies getan hat. Wir fordern deshalb den rot-rot-grünen Senat dringend auf, mit dieser Selbstverständlichkeit nicht zu brechen und dafür zu sorgen, dass die Stiftung Oper die Wahlanfechtung zurückzieht.«

JAV-Vorsitzender Jonathan Hilliger fühlt sich wie die anderen des neugewählten Gremiums »ausgebremst«. Die im Sommer ausgelernten und in die JAV gewählten Azubis hätten den Antrag auf Übernahme gestellt, diese Verfahren laufen noch. Ausgelernte aber würden nicht mehr als JAV-Mitglieder angesehen, denn die Wahlanfechtung sei nicht vom Tisch.

Wichtig wären vom Arbeitgeber zu bezahlende und in der Arbeitszeit zu gewährende Schulungen, damit die neue JAV mit ihren Rechten und Pflichten vertraut wird. »Dass wir das in Eigenregie und in der Freizeit organisieren, ist nicht im Sinne der Sache und des Gesetzes«, meint Jonathan.

Für ebenso wichtig hält er, die Probleme der in den vier Häusern verstreut arbeitenden Azubis kennen zu lernen. Sie an ihren Arbeitsplätzen zu besuchen und für alle jungen Beschäftigten eine Jugend- und Auszubildendenversammlung einzuberufen, gehört zum Plan der JAV in den ersten Monaten, denn »zweimal im Monat an der Personalratssitzung teilzunehmen, reicht nicht«. Die Möglichkeiten einer normalen Arbeit in der Interessenvertretung seien – immer unter dem Vorbehalt der laufenden Wahlanfechtung – jedoch nur schwer durchsetzbar. »Im Augenblick kämpfen wir um unsere Schulungen«, sagt der JAV- Vorsitzende.

B. E.